DAS STÄHLERNE HERZ

 

DAS STÄHLERNE HERZ
Deutschland und Europa im Brennglas der Völklinger Hütte

Gebläse- und Verdichterhalle Weltkulturerbe Völklinger Hütte
24. Januar 2027 bis 16. Januar 2028

Die Geschichte der Völklinger Hütte steht exemplarisch für die Geschichte Deutschlands und Europas. Das 19. und 20. Jahrhundert erzählen sich gewissermaßen von selbst über die konkreten Geschehnisse im und um das Eisenwerk. Umso erstaunlicher, dass bislang keine zusammenhängende Präsentation zu diesem Thema realisiert wurde. Dies wird nun erstmals umfassend unternommen.

Mit DAS STÄHLERNE HERZ findet der Ort der Wechselausstellungen im Weltkulturerbe gewissermaßen zu sich selbst zurück. Es könnte keinen passenderen Schauplatz geben als jenen zwischen den riesigen Schwungrädern der Gebläsehalle, die die Geschichte Deutschlands und Europas in all ihren Licht- und Schattenseiten vorangetrieben haben.

Zentrale historische Epochen und gesellschaftliche Themen des 19. bis 21. Jahrhunderts bilden sich im Kosmos der Völklinger Hütte ab: von der frühen Industrialisierung und den Innovationsschüben der Gründerzeit über die beiden Weltkriege, über Stahlhelm- und Waffenproduktion sowie massive Zwangsarbeit, hin zur Montanunion, Europa-Vision und zum „Wirtschaftswunder“ der Nachkriegszeit, erwirtschaftet auch von „Gastarbeiter:innen“, zur Umwelt- und Strukturkrise der Stahlindustrie und zum Wandel zur Dienstleistungs-, Wissens- und Freizeitgesellschaft, für den das Weltkulturerbe gleichfalls beispielhaft steht.

Die Ausstellung bietet in zwölf chronologisch strukturierten Kapiteln zahlreiche neue Forschungserkenntnisse, zum Beispiel zur Wechselwirkung von Schwerindustrie und Jugendstil im Deutschen Kaiserreich sowie in ganz Europa. Sie versammelt bislang entlegenes und in zahlreichen Archiven und Sammlungen verstreutes historisches Material des 19. und 20. Jahrhunderts in allen Medienformaten (Foto, Text, Film sowie Tondokumente) und bereitet dieses zeitgemäß auf – im Zusammenspiel mit der eigenen Sammlung des Weltkulturerbes Völklinger Hütte sowie mit ausgewählten literarischen Texten, Musikstücken und Kunstwerken der Moderne sowie eigens für die Ausstellung entstandenen Rauminstallationen von internationalen Gegenwartskünstler:innen.

Objekte, Fotografien und Dokumente zur Hüttengeschichte treten somit in einen kreativen Dialog mit Literatur, Musik, Film und Kunst. Menschen unterschiedlichster Jahrzehnte und Positionen werden in ihrer Interaktion mit der riesigen Maschine sichtbar, exemplarisch für das Anthropozän, unser menschengemachtes Zeitalter.

Ob mit der Einspielung des Saarliedes „Der 13. Januar“ von Bertholt Brecht und Hanns Eisler aus dem Jahr 1934 sowie O-Tönen von Erika Mann und Erich Honecker oder mit Peter William Holdens pneumatisch bewegter Multimedia-Installation „Vicious Circle“ von 2012, die Ausstellung wird ebenso sinnlich und überraschend wie multiperspektivisch eine andere, neue und wesentlich erweiterte Geschichte der Völklinger Hütte entwerfen – im Blick von heute aus werden die Geschichte wie Geschichten um das Eisenwerk und dessen Menschen kritisch auf den Prüfstand gestellt und kontextualisiert: mit aktuellem Wissen und erhellenden Kunsteinsätzen.

Zu den Künstler:innen der Ausstellung gehören u.a. Giulia Andreani, John Bock, Christoph Brech, KP Brehmer, Aleksandar Denic, Otto Dix, Nikolaus Eberstaller, Marcel van Eeden, Linda Fregni Nagler, John Heartfield, Peter William Holden, Fritz Koelle, Louis Krevel, Richard Luksch, Adolph Menzel, Lukas Ratius, Carl Röchling, Julian Rosefeldt/Piero Steinle, Mehmet Ünal und Grete Waldau.

Zur Ausstellung erscheint das Katalogbuch DAS STÄHLERNE HERZ. Deutschland und Europa im Brennglas der Völklinger Hütte im Hirmer Verlag München, herausgegeben von Ralf Beil und gestaltet von KomaAmok, mit Essays u.a. von Sven Beckert, Ralf Beil, Hendrik Kersten, Susanne Nimmesgern, Inge Plettenberg, Christian Reuter, Michael Röhrig sowie Quellentexten von Konrad Adenauer, Bertolt Brecht, Erich Honecker, Erika Mann, Hermann Röchling, Hedda Zinner u.a.m.: 512 Seiten, 550 Abbildungen, Hardcover, deutsche und englische Ausgabe.

Der Berliner Graphic Novel-Künstler Jens Harder realisiert eigens für das Weltkulturerbe Völklinger Hütte einen 80-seitigen Band zur Geschichte der Völklinger Hütte, der im Carlsen Verlag, Hamburg erscheinen wird. Dieser produziert die deutsche und englische Ausgabe. Die französische Ausgabe erscheint bei Éditions Actes Sud, Arles.

Ein umfangreiches Rahmenprogramm begleitet die Ausstellung. Partner sind unter anderem das Saarländische Staatstheater, die Hochschule für Musik Saar, das Filmhaus Saarbrücken sowie das Kino Achteinhalb.

Die Ausstellung wird ermöglicht durch zahlreiche Förderbeiträge von der Kulturstiftung der Länder, der Saarland-Sporttoto GmbH, der Staatskanzlei des Saarlandes, der Montan Stiftung-Saar, der Ulli und Uwe Kai-Stiftung, der Stiftung des Verbandes der Metall- und Elektro-Industrie des Saarlandes, der Röchling Stiftung und der Arbeitskammer des Saarlandes.

 

 

 

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Dr. Armin Leidinger

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