Mathieu Tremblin
Website: www.demodetouslesjours.eu
Ausstellungen
Werke
Spekulative Autonome Zone Lebensgroß (SAZ L)
UAB Werke 4 Mathieu Tremblin
Copyright: Weltkulturerbe Völklinger Hütte / Celine Felber
Datierung
2026, in situ
Material
Stencils mit Kohlenstaub
Beschreibung
Für die Urban Art Biennale 2026 hat der Straßburger Künstler Mathieu Tremblin Kernaussagen aus einem von ihm mitentwickelten Rollenspiel zum imaginierten Zustand der Völklinger Hütte im Jahr 2046 mit abwaschbarer Kohle auf ausgewählte Wände der einstigen Kokerei aufgetragen. Die Intervention erscheint in Form einer Art Life-Size-Spielanordnung, in der Maßstab, Fragment und Erzählung ineinandergreifen. So werden die Wände selbst zu Trägern einer möglichen Zukunft, die zwischen Spekulation, Erinnerung und Reflexion oszilliert. Tremblins Kunst lässt sich am ehesten als urbaner Konzeptualismus beschreiben: spielerisch in der Form, analytisch im Zugriff und nicht selten mit deutlicher politischer Schärfe. Seine Arbeiten operieren mit Verschiebungen, Verdichtungen und Wiederholungen, ohne dabei auf Leichtigkeit oder Humor zu verzichten. Gerade in diesem Spannungsfeld entfaltet sich eine Praxis, die Lücken sichtbar macht, Situationen umcodiert und den Stadtraum als denkbaren, verhandelbaren Ort begreift.
Die Gesellschaft der Stadtwanderer
Voelklinger Chronicles #2 „Industrial Music“
Mathieu Tremblin Music kompr KHV
Copyright: Karl Heinrich Veith
Datierung
2024, in situ
Beschreibung
Der Straßburger Künstler Mathieu Tremblin, treibende Kraft hinter der für die Urban Art Biennale 2024 ins Leben gerufenen Gesellschaft der Stadtwanderer, sammelte über Wochen hinweg Anekdoten von Völklinger:innen, die er zu einer märchen- und legendenartigen Erzählung der Geschichte Völklingens verband und ausformulierte. Dabei wurden die Kontaktdaten, unter denen Tremblin zu erreichen war, im Vorfeld mittels überall in der Stadt verteilten Plakaten an die Bürger:innen kommuniziert. Nun sind an vielen Stellen auf dem Gelände des Weltkulturerbes und im Völklinger Stadtgebiet die entstandenen Dichtungen an Wänden zu entdecken. Das Projekt wurde von aufgeschlossenem Interesse begleitet. „Die Leute hier waren direkt bereit, mit uns ins Gespräch zu kommen. Sie waren interessiert, haben gefragt, was wir denn da machen. Das ist für mich das Zeichen einer gesunden Stadt. Wenn die Stadt wirklich den Leuten gehört, dann freuen sie sich, wenn ihnen jemand etwas bringt, wie wir unsere Interventionen“, so der Künstler. Die lokale Partizipation, durch die Erinnerungen, Stimmungen, Gefühle und Momente zu einem urbanen Mythos mit ganz eigenständigem Charakter verschmelzen konnten, bildet ohne Zweifel den Kern dieser Arbeit.
Daniel Bauer
La fumée
Tremblin la fume
Copyright: Weltkulturerbe Völklinger Hütte / Karl Heinrich Veith
Datierung
2022, in situ
Abmessungen
Höhe 95 cm
Material
Ziegel, Beton
Beschreibung
Mit „La fumée“ verbindet Mathieu Tremblin – wie oft in seinem ungewöhnlich vielseitigen Werk konzeptueller Street Art – Ortsbezug, Formalismus und gesellschaftspolitischen Kommentar. Der gemauerte Fabrikschornstein en miniature ist dem riesigen Vorbild bei den Hochöfen des Völklinger Weltkulturerbes nachempfunden. Am Miniaturschornstein oben, wo es rauchen sollte, raucht es auch – aber anders als gedacht und nur wenn die mitgedachte Interaktion mit den Besucher:innen stattfindet. Denn wer genau hinschaut, erkennt am Schornsteinende kleine Kerben, wie man sie von Aschenbechern kennt. Das vom Künstler hier augenzwinkernd angelegte gemeinsame „Qualmen“ bekommt eine soziale und politische Dimension. „Im Kontext der Uber-isierung von Arbeitsverhältnissen scheint die Zigarettenpause der letzte Gemeinschaftsmoment zu sein, der Arbeiter:innen bleibt, um sich über ihre entfremdete Situation auszutauschen,“ so Tremblin. Aufgestellt ist die Skulptur daher sinnigerweise in einem Unterstand, der früher von den Völklinger Hüttenarbeiter:innen zur Raucherpause genutzt wurde.
Tautological Propaganda
Tremblin 2
Copyright: Weltkulturerbe Völklinger Hütte / Karl Heinrich Veith
Datierung
2022, in situ
Abmessungen
2,7 x 14 m
Material
Papier
Beschreibung
Der in Straßburg lebende Mathieu Tremblin kann ohne Übertreibung als ein Meister des urbanen Konzeptualismus bezeichnet werden, wenn diese Bezeichnung spielerische Visualität und bei aller Vielschichtigkeit beißende Kommentare umfassen darf. Der Urheber der im Netz viral gegangenen „Tag Clouds“, vergreift sich gerne an vermeintlichen Gewissheiten der Szene und der Gesellschaft. „Französischer Street-Art-Künstler macht Graffitis endlich lesbar“ titelte etwa der Musikexpress zu seinem berühmt gewordenen Projekt. Mit Künstlern wie Tremblin sind Graffiti und Street Art in einer Ära der Selbstreflexion angekommen. Sein Werk „Tautological Propaganda“ nimmt die kommerzialisierte, zur Modemarke verflachte Arbeit des vor allem für sein ikonisches Obama-Poster weltweit bekannten Street-Art-Künstlers Shepard Fairey gekonnt auseinander. Dieser hatte sich zur Schaffung eines kritischen Images für seine „Obey“-Kampagne mit Zitaten aus John Carpenters kapitalismuskritischem Kultfilm „They Live!“ von 1988 bedient – und später daraus seine Modemarke Obey Clothing generiert. Tremblin betrachtet nun ebenfalls in Anlehnung an Capenters Film Konsument:innen von Faireys Mode anhand deren Social-Media-Posts durch einen Sonnenbrillenfilter, der das wahre kapitalistische Gesicht sichtbar macht – in diesem Fall von käuflichen Urban-Art-Styles.

Tautological Propaganda
2022, in situ